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July

Ersteindruck - »She and her Cat« – ein Zyklus in 4 Jahreszeiten

Autorin: 

Warum immer auf eine Review nach Abschluss der Serie warten, wenn man sich schon nach der ersten Episode beziehungsweise dem ersten Band einen Eindruck bilden kann? Da setzt Ersteindruck an und gibt schon einmal einen Ausblick darauf, ob es sich lohnt, dem Anime oder Manga eine Chance zu geben, oder nicht.

She and her Cat - Band 1
Titel: She and her Cat
Genre: Slice of Life
Mangaka: Makoto Shinkai, Tsubasa Yamaguchi
Release: Februar 2016 (JP)
Bände: in einem Band abgeschlossen
Verlag: Egmont Manga
Preis: 10,00 €

(Basis für diesen Ersteindruck ist der erste Band.)

Chobi wird von seinen Besitzern ausgesetzt. An einem kalten Regentag findet ihn dann die junge erwachsene Miyu, die den einsamen Kater bei sich aufnimmt. Zwei einsame Lebewesen teilen sich von nun an eine Wohnung und den größten Teil ihres Lebens, denn Miyu ist ebenfalls einsam. Frisch ausgezogen aus dem Elternhaus, angekommen im Berufsleben und fernab von ihren alten Freunden, von denen sie sich langsam entfremdet, muss sie sich alleine mit den Problemen des Erwachsenseins herumschlagen. Nach und nach häuft sich die Last auf Miyu, bis sie daran zu zerbrechen droht. Was man aus der Beziehung zwischen Mensch und Hauskatze lernen kann, erklärt euch Giira.

(Zusammenfassung)

An einem verregneten Frühlingstag wird der Kater Chobi völlig durchnässt von einer jungen Frau gefunden und direkt adoptiert. Chobi ist total vernarrt in sein neues Frauchen und berichtet dem Leser aus der Katzenperspektive von ihrem gemeinsamen Leben. Während des Sommers findet Chobi eine Katzen-Freundin, doch viel mehr beschäftigt ihn, dass seine menschliche Besitzerin immer trauriger wird …

Egmont Manga

plus Katzen haben auch Gefühle

She and her Cat - Scan 1

»She and her Cat« erzählt die Geschichte zweier Lebewesen mit unterschiedlicher Wertevorstellungen, welche einen Teil ihres Weges gemeinsam gehen. Allein diese Entscheidung, Chobi ein eigenes Denkgerüst mitzugeben, macht ihn menschlich, wovon die Handlung zehren kann, denn sie spielt sich zum größten Teil in ihrer gemeinsamen Wohnung ab. Chobi wirkt dadurch szenenweise eher wie ein Zimmergenosse als wie ein Haustier.

Während sich Chobi also in Gedankenmonologen, die einem Liebesbrief an Miyu gleichen, seinem Alltag als Katze widmet, verfolgen wir einen besonderen Lebensabschnitt der jungen Miyu. Miyu lernt gerade auf eigenen Füssen zu stehen. Während seiner verträumten Monologe trifft Chobi immer wieder auf Unverständnis, was das Verhalten von Miyu angeht. Dies lässt Miyus komplexe Probleme überwindbar wirken. Sei es ihre traurige Stimmung, während Gesprächen mit ihrer Mutter oder der ungewöhnliche Geruch von Alkohol und fremden Menschen auf Miyus Haut nach dem Afterwork-Drink.

Die Stimmung wechselt stetig zwischen dem herzerwärmenden Gefühlen von Chobi und den bedrückenden Momenten aus Miyus schwerem Leben, in dem sie stets das Gefühl hat, an Zeit zu verlieren. Einleben im ersten Beruf, die erste eigene Wohnung und damit einhergehenden Probleme wie selber zu kochen. Miyu trifft auf Situationen, mit denen sich jeder auseinander setzen muss, wenn er oder sie das Nest verlässt. Eine besondere Zeit im Leben, was nicht nur handlungstechnisch, sondern auch visuell untermalt wird …

Mixed Eingefroren in der Bewegung

She and her Cat - Scan 2

… denn schlägt man den Manga auf, wird man empfangen von Momenten gehalten in zerlaufenden Ölfarben. Auch wenn die darauffolgenden Schwarzweiß-Panels in klaren Linien gezeichnet sind, lässt das Thema Wasser die Geschichte nicht los.

Das detailiert gezeichnete nassglänzende Haar von Miyu durchzieht jedes Kapitel, auch wenn es physisch nicht regnet. Es fängt das Thema Regenzeit ein, eine Art fünfte Jahreszeit, mit der in Manga wie »After the Rain« wie auch hier oft eine Menge melancholischer Gefühle einhergehen.

Detailverliebt zeigen sich auch Gesicht, Körperhaltung und Kleidung von Miyu. Der Fokus bleibt durch die detailarmen Hintergründe bei ihr. Selbst Chobi wirkt des Öfteren neben ihr im Hintergrund zu verschwinden. Ein stiller Beobachter eben. Still wie auch die vielen Stillleben, die den Stillstand in Miyus Leben unterstreichen.

Minus Frühling, Sommer, Herbst & Winter

She and her Cat - Scan 3

Miyu versucht stets die Probleme des Alltags mit einem Lächeln zu meistern, ist stolz auf Dinge, die sie selber zustande gebracht hat, und sucht trotzdem immer wieder Ziele im Leben. Sollte sie nicht langsam heiraten? Wie verhält man sich richtig in Gesellschaft von erwachsenen Menschen? Viele Probleme, denen sie sich im sicheren Nest bei Mutter und Vater nicht stellen musste. Auf der anderen Seite haben wir Chobi, eine ehemals ausgesetzte Katze, die durch Miyu ein neues Zuhause bekommen hat und mit seiner aus Dankbarkeit aufgeflammten Liebe versucht Miyus Leben zu erfüllen und sie stets zu beschützen. Als weitere Figuren lernen wir Miyus Freundin, ihre Mutter und einen Arbeitskollegen kennen. Doch alle drei Charaktere dienen merklich nur zur Unterstützung der minimalistischen, zyklisch aufgebauten Erzählstruktur, wo der Fokus stets auf Miyu und Chobi bleibt. Dies stellt gleichermaßen einen Reiz wie auch ein Problem dar, denn Kapitel wie das zweite zeigen, wie unflexibel die Geschichte ist. Schon kleine Abweichungen von der Formel, wie als Miyu ihre Freundin aus Uni-Zeiten außerhalb der Wohnung trifft, fallen direkt aus dem Raster – positiv wie negativ.

Fazit:

»She and her Cat« ist eine in sich abgeschlossene Geschichte über eine junge Frau, die sich vermeintlich alleine erstmals dem Ernst des Lebens stellt. Eine Zeit der Melancholie, die Makoto Shinkai durch den Einsatz der Regenzeit-Metapher unterstreicht. Dieser scheinbar nie enden-wollender Dauerregen zieht durch die vier Jahreszeiten umspannende Geschichte, bis sie am Ende dieser Zeit ihr buchstäbliches Licht in ihrer Katze erkennt – eine emotionale Stütze, die zuvor für sie unhörbar im Hintergrund, aber stettig an ihrer Seite ist. »She and her Cat« ist ein Werk voller Gefühle, das mit einem Twist auf das Slice-of-Life-Genre daherkommt. »The Garden of Words« trifft hier auf die Erzählstruktur von »My Roomate is a Cat«.

Giira Ookami

Giira Ookami ist Anime- und Mangafan seit Kindheitstagen. Wenn sie nicht gerade Anime schaut, steckt sie ihre Nase in Manga.

Website: twitter.com/giiratalk

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